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Klima und Mobilität in Krems 2019: Eine Veranstaltung zum Nachdenken und Handeln

Christian Braun, Bernd Hildebrand, Klaus Otepka, Silvia Schmid, Peter Molnar, Alexander Orlik, Reinhard Resch, Albert Kisling, Alfred Scheichel, Reinhard Weitzer, Martin Sedelmaier
Christian Braun, Bernd Hildebrand, Klaus Otepka, Silvia Schmid, Peter Molnar, Alexander Orlik, Reinhard Resch, Albert Kisling, Alfred Scheichel, Reinhard Weitzer, Martin Sedelmaier

Ist Krems anders? Und wenn nein, warum nicht? 

Was bedeutet Klima, wie entsteht unser Wetter, was verursacht den Treibhauseffekt, und vor allem: Was können wir tun, um mal so eben noch den Turnaround zu schaffen? Fragen, denen auf Einladung der KEM Krems und der Kremser Radlobby Alexander Orlik (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynakmik), Dipl.-Ing. Bernd Hildebrand (Energie- und Umweltagentur NÖ), Mag Klaus Otepka (Radlobby), Stadtbaudirektor Dipl-Ing. Reinhard Weitzer, Dipl.-Ing. Mag. Silvia Schmidt (Stadtentwicklung) sowie die Umwelt-Gemeinderäte KommR Albert Kisling und Martin Sedlmaier bzw. Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel in Form von Vorträgen, Interviews und Gruppenforen nachgingen. Nachfolgend erste Einblicke, die mobil machen - sprich 'bewegen' - sollen:

 

Wetter & Klima: Nichts bleibt mehr, wie es vor Langem begonnen hat

Alexander Orlik, zuständig für Klimamonitoring und die Ertstellung von Wettergutachten bei der ZAMG, brachte es auf den Punkt: „Man kann nicht von einem Wetterereignis auf das Klima schließen, dazu sind immer mehere Ereignisse über einen längeren Zeitraum notwendig.“ In seinem Vortrag ging er am Beispiel des ‚klassischen Radfahrers‘ Alltagsfragen nach, etwa „brauche ich heute Regenkleidung?“, „werde ich morgens frieren und am Nachmittag schönstes Radfahrwetter haben?“, „wann kann ich heuer in die Radfahrsaison starten?“, oder „werde ich in Zukunft noch eine Thermohose im Winter benötigen?“. Ein Rückblick auf den Verlauf der Jahresmitteltemperatur (maximale Zunahme 2,6 Grad 2018) und der Sommerhalbjahrestemperatur (Maximum +3,6 Grad 2018) seit 1768 zeigt: "Alles bleibt anders". Auch wenn sich die Entwicklung der Jahresniederschlagssummen auf den ersten Blick unspektakulär zeigt, liegt der Teufel dabei im Detail: kürzere, dafür voluminösere Niederschläge prägen zunehmend unseren Alltag und lassen RadfahrerInnen immer öfter verzweifeln.

 

Alexander Orlik, Zentralanstalt f. Meteorologie und Geodynamik
Alexander Orlik, Zentralanstalt f. Meteorologie und Geodynamik

In Krems (Wetterstationen Krems Landersdorf bis 1982, Weinbauschule Krems bis 1995, seither automatische Wetterstation), zurückliegend bis 1867, wurde eine Zunahme der Sommertage mit Temperaturen >= 25 Grad C von 54,8 (1961) auf 109 (2018) gemessen. Die Hitzetage (>= 30 Grad C) erfuhren im selben Zeitraum eine Zunahme von 11 auf 34. 2018 war also in beiden Bereichen ein absolutes Rekordjahr. Bedenklich für Wohlbefinden, Landwirtschaft und Klima. Gleichzeitig ein Rückgang bei den Frühlings-Frosttagen (-6), eine frühere Vegetationsperiode (13 Tage früher), eine Zunahme von Hitzetagen (+7) und der Jahresniederschlagsmenge (+50 mm). Für die Zukunft sieht Orlik eine Zunahme lokaler Starkniederschläge über das Jahr und größere Niederschlagsmengen im Winter bei einer noch unsicheren Entwicklung der Sommermonate.

Peter Molnar: "Klima = 30 Jahre Wetter"

Der in Sachen Umwelt und Klimaentwicklung stets umtriebige und innovative (Start-Up in Sachen Photovoltaik) Peter Molnar bringt es auf den Punkt: "Wir müssen ein globales Problem auf regionale Möglichkeiten runterbrechen, sonst haben wir keine Chance, etwas zu bewirken." Es ist die Sache mit dem kleinsten Teil, bei dem Veränderung beginnt: Krems hat als Kleinstadt alle Möglichkeiten, der negativen Klimaentwicklung und dem Treibhaus effekt entgegen zuwirken - auf der Stelle, und zwar bei der "Heiligen Kuh" Auto. In seiner Präsentation (er moderierte auch die Veranstaltung) zeigte Molnar, wie positiv sich der Gebäudesektor im Bereich der CO2-Emissionen seit 1990 entwickelt hat - ein Rückgang um 36 Prozent. Die Kehrseite: Gleichzeitig stieg die Entwicklung beim Verkehr (Auto & Co.) um  72 Prozent an - alarmierend!


Zukunftskonferenz 2017

Christoph Stenzel, Manager bei ‚Energy Changes‘ einem wichtigen Projektpartner der KEM (Klima- und Energiemodellregionen) Krems, präsentierte das Projekt ‚Green City‘.

 

Unter dem Slogan ‚Kremser Klimaschulen machen grün‘ findet zurzeit ein beachtenswertes Projekt statt: SchülerInnen mehrerer Kremser Schulen (HAK, HTL, Mary Ward, NMS und die Volksschule Egelsee) setzen sich das Ziel, alle Schulgebäude zu begrünen. Ein weiterer Bestandteil ist Urban Farming als neuer Weg, Gemüse in der Stadt zu pflanzen. Das Bekenntnis der Stadt, Krems in eine energieautarke Existenz zu führen, wurde als wichtiger Punkt in das Gesamtkonzept ‘Krems2030’ aufgenommen.

 

Kommentar: Klima- und Energie Modellregion Krems (KEM) startet zweite Umsetzungsphase

Bereits 2014/15 lieferten SchülerInnen aller Altersstufen mit dem ersten Klimaschulprojekt eine tolle Performance. Es geht um mehr als darum, ein wichtiges Thema schönzureden, jemandem einen Gefallen zu tun oder uns allen eine Grüne Weste überzuziehen. Negative Wortmeldungen und Unbeweglichkeit sollten ein Ansporn nicht nur für junge Menschen sein. Es liegt an uns allen, etwas ins Positive zu verändern. Zum Beispiel mithilfe des neuen Bürgerbeteiligungsmodells, ebenfalls ein Teil von ‘Krems2030’ und bei der Zukunftskonferenz vorgestellt, stehen den KremserInnen (jeden Alters) alle Türen offen, Zukunft und Gegenwart mitzugestalten.